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Das Radverkehrskonzept 2030

Das neue Radverkehrskonzept 2030 für Schwerin ist fertig und befindet sich momentan in den Gremien zur Beratung. Es soll bis 2030 umgesetzt werden und Schwerin zu einer fahrradfreundlicheren Stadt machen. Das erklärte Ziel ist ein Radverkehrsanteil von 25 Prozent. Dazu muss wesentlich mehr in die Radinfrastruktur investiert werden. Mit dem Beschluss unserer fünf Ziele durch die Stadtvertretung im Juni 2021 wurden jährliche Ausgaben von 3,8 Mio Euro festgelegt. Ein Großteil dieser Summe wird aus Fördermitteln kommen.

Wir begrüßen grundsätzlich das Konzept und haben dazu eine Stellungnahme verfasst. Zum ersten Mal gibt es in Schwerin einen Plan mit konkreten Maßnahmen. In unserer Stellungnahme stellen wir die Maßnahmen vor, die unserer Meinung nach in den nächsten zwei Jahren umgestzt werden sollten. Ganz besonders wichtig ist uns eine komfortable Durchquerung der Innenstadt.

Broschüre des Bundesverkehrsministeriums

Das Bundesverkehrsministerium hat eine Begleitbroschüre zum Radwege-Förderprogramm „Stadt und Land“ herausgegeben. Die Broschüre heißt „Einladende Radverkehrsnetze“ und wendet sich an kommunale Entscheidungsträger und an die Planer:innen neuer Radwege. Sie liest sich erstaunlich ähnlich wie die Forderungen der Radentscheide in Deutschland.

Zitat Verkehrsminister Wissing: „Die Broschüre arbeitet mit der Idee der elfjährigen Laura. Laura steht dabei sinnbildlich für die vielen Menschen aller Altersgruppen in Deutschland, die sich erst dann für das Radfahren entscheiden, wenn sie sich dabei auch sicher fühlen. Die Berücksichtigung des subjektiven Sicherheitsgefühls in der Planung ist eine der wichtigsten Stellschrauben, um den Radverkehrsanteil am Mobilitätsmix signifikant zu erhöhen.“

Unbedingt lesenswert – jetzt fehlt nur noch die Umsetzung der vielen guten Ideen!

Ein Jahr Beschluss unserer Ziele

Am 14. Juni 2021 wurden die fünf Ziele des Bürgerbegehrens mehrheitlich von der Stadtvertretung beschlossen. Der Radentscheid Schwerin hat damit nach der Sammlung von 6.325 Unterschriften einen großen Erfolg verbuchen können. Mit der Verwaltung gab es seitdem regelmäßige Treffen. Ziel ist die Umsetzung der Ziele des Radentscheids, die Besprechung der städtischen Vorhaben und die Frage, wie man zu einheitlichen Standards bei Neubau, Sanierung und Unterhalt der Radwege in Schwerin kommt.

Parallel dazu hat die Stadt das neue Radverkehrskonzept 2030 für Schwerin erarbeiten lassen. Der Radentscheid hat an allen Veranstaltungen dazu teilgenommen. Sofern die Stadtvertreter dem Konzept zustimmen, soll es bis 2030 umgesetzt werden. Das erklärte Ziel der Stadt ist ein Radverkehrsanteil von 25 Prozent bis 2030. Die Stadtvertretung hat 2021 mit Beschluss des Bürgerbegehrens jährliche Mindestausbauziele von 3,8 Mio Euro beschlossen. Dies sollte im neuen Haushalt auch Berücksichtigung finden.

Das größte Projekt des Radentscheids heißt „Klimafreundlich mit dem Rad zur Schule in MV“. Das Projekt wurde ausgeschrieben und wird von zwei sehr erfahrenen Ingenieurbüros umgesetzt. Ziel ist die Verbesserung der Schulwegsicherheit in den Städten Schwerin, Parchim und Ludwigslust. Dafür wurden zehn Schulen ausgewählt, an denen nach einer Bestandserfassung mit den Schülern zusammen an praktikablen Lösungen gearbeitet wird. Diese Lösungen sollen öffentlich in den Kommunen vorgestellt und die Bedingungen konkret vor Ort verbessert werden.

Das Ziel 5 des Bürgerbegehrens Radentscheid Schwerin beinhaltet die Selbstverpflichtung der Stadt zur Öffentlichkeitsarbeit pro Rad. Bisher betreiben diese vor allem der Radentscheid Schwerin und der ADFC Schwerin. Obwohl die Stadt und der OB behaupten, für eine Stärkung des Radverkehrs zu sein, bekennen sie sich nicht öffentlich dazu.

Ein gutes Instrument zur Förderung des Radverkehrs wären Radler-Apps. Sie verbinden die Aufzeichnung der eigenen Routen (wie beim Stadtradeln) mit dem Vorteil, die so gesammelten Kilometer in Guthaben und Rabatte bei örtlichen Händlern, Gastronomen und Vereinen umwandeln zu können. Die Stadt würde im Gegenzug die gesammelten Routenverläufe für ihre Wegeplanung nutzen können. Für besonders geeignet hält der Radentscheid die App der Deutschen Bahn DB Rad+. Städte wie Hamburg oder Wiesbaden machen das vor. Mehrere Anläufe, die Stadt für die Umsetzung zu gewinnen, sind bisher ins Leere gelaufen. Der Radentscheid möchte sich aktiv in Gespräche über die Nutzung der App einbringen.

Radentscheid übergibt Mängelliste

Liste enthält über 140 Stellen in Schwerin

Bei unserem Treffen mit der Verkehrsverwaltung im November 2021 haben wir auch über die diversen Mängelmelder gesprochen und nachgefragt, was eigentlich mit diesen Daten passiert. Nicht viel bis dahin, und so haben wir vereinbart, diese Daten zusammenzufassen und aufzubereiten.

Grundlage waren der Wegedetektiv (nicht mehr online) vom Planungsverband Westmecklenburg. Dazu die RADar-Karte vom Stadtradeln und unsere eigene Schwachstellenkarte.

Aus den insgesamt ca. 200 Meldungen haben wir alle Dopplungen entfernt. Wir haben die Meldungen in ein einheitliches Design gebracht und mit einer Karte verknüpft. Und wir haben sie in drei Kategorien eingeordnet.

Diese Kategorien sagen etwas über den Aufwand, mit dem die Mängel beseitigt werden können. Übergeben haben wir diese Liste am 23. Februar 2022. Unser Ziel sind möglichst schnelle Verbesserungen für Radfahrende in Schwerin.

Beispiele für Kategorie 1

Kategorie 1 = leicht zu beheben
  • Markierungsarbeiten
  • Beschilderungen
  • Ampelschaltungen
  • kleine Ausbesserungen
  • Bordsteinabsenkungen
  • Poller und Schranken entfernen

Unüberlegte Bordsteinabsenkung – überflüssige und gefährliche Poller und Schranken – zu viele Bettelampeln

Beispiele für Kategorie 2

Kategorie 2 = mittelschwer zu beheben
  • Umsetzen von Ampelmasten oder Bushaltestellenschildern 
  • Reparatur von schlechten Wegabschnitten
  • Umwidmung von Parkflächen in Radwege

Ampelmasten auf Radwegen – schlechte Wegstücke – Radweg, der nach wenigen Metern im Nichts endet

Beispiele für Kategorie 3

Kategorie 3 = aufwändig zu beheben
  • geänderte Wegführung
  • Neubau von Radwegen
  • Neuverteilung von Verkehrsflächen
  • grundhafte Sanierung

Kopfsteinpflaster nicht für Radwege geeignet – schlechter Wegezustand – fehlender Radweg nach Neumühle

Alle gezeigten Beispiele findet Ihr mit weiteren Erläuterungen in der Mängelliste. Auf unserer Schwachstellenkarte könnt Ihr weiterhin Mängel eintragen. Wir wollen aber auch die positiven Veränderungen hier zeigen und werden Vorher-Nachher-Bilder veröffentlichen.

Radverkehrskonzept 2030 ist in Arbeit

Übersicht Innenstadt

Im Sommer 2020 startete die Arbeit am neuen Radverkehrskonzept für Schwerin. Inzwischen gab es einige Arbeitssitzungen, an denen auch der Radentscheid Schwerin teilnimmt.

Zum Fahrrad-Forum im November im Demmler-Saal wurden die bisherigen Ergebnisse vorgestellt. Als besonders schwierig erweist sich die Innenstadt von Schwerin, dazu gab es einen gesonderten Workshop im Oktober.

Hier ist die Innenstadt innerhalb des Rings aus Obotritenring und Werderstraße zu sehen. Die roten durchgezogenen Linien zeigen künftige Vorrangrouten, die sowohl in Breite als auch 

Fahrbahnbeschaffenheit wirklich den Anforderungen an den Radverkehr gerecht werden sollen.

Bisher noch gar nicht geklärt ist die Durchfahrung der Innenstadt in der Zeit von Mai bis September. Dafür liegt aber jetzt zum Obotritenring ein guter Kompromissvorschlag des Planungsbüros auf dem Tisch. Bisher war ja die Vierspurigkeit vehement von den Autofahrern verteidigt worden und die Zweispurigkeit als völlig unmöglich gesehen. Der neue Vorschlag sieht vor, dass die Autospuren auf drei reduziert werden und diese wechselseitig für den abbiegenden Linksverkehr genutzt werden. Damit ist Platz für eine regelkonforme Geschützte Radspur und einen dann den Fußgängern vorbehaltenen Gehweg.

Neue Ideen für den Obotritenring